Abschiedsrede Gerhard Pfister, Präsident Die Mitte Schweiz, Nationalrat ZG
28. Juni 2025 – Abschiedsrede von Parteipräsident und Nationalrat (ZG) Gerhard Pfister anlässlich der zweiten Delegiertenversammlung der Mitte Schweiz. Es gilt das gesprochene Wort.
Bundesrat Martin Pfister, alt Bundesrätin Viola Amherd, geschätzte Delegierte, geschätzte Fraktionsmitglieder, sehr geehrte Damen und Herren
Ich danke Dir, geschätzte Doris, herzlich für diese Worte. Es ist mir eine besondere Freude und fühle mich geehrt, dass Du diese Würdigung meiner Präsidentschaft übernommen hast. Wie Du richtig gesagt hast, haben wir bewegte Zeiten hinter uns. Wir sind wahrlich nicht angestaubt in dieser Zeit.
Die Öffnung der Partei mit dem neuen Namen Die Mitte und die Fusion von CVP und BDP war der entscheidende Wendepunkt, der uns neue Möglichkeiten eröffnet hat. Es ist uns erfolgreich gelungen, neue Wählerschichten anzusprechen und uns für diese zu öffnen. Gleichzeitig ist uns unsere bisherige Wählerschaft treu geblieben.
Lors des élections fédérales de 2023, nous avons non seulement consolidé les résultats issus de la fusion, mais nous les avons largement dépassés – une performance qu’aucun autre parti n’avait réalisé avant nous. Avec un gain de siège, 29 au total, Le Centre est resté la principale force du centre politique au Conseil national – et pour la première fois depuis 1848, nous y avons dépassé le PLR.
Au Conseil des États, nous sommes la première force incontestée.
Dans les exécutifs cantonaux, Le Centre est le parti le plus représenté. Et dans les institutions, nous assumons pleinement nos responsabilités.
Nous avons également professionnalisé nos structures. Et nous avons tenu notre engagement : tracer une voie claire, indépendante des extrêmes, et assumer notre rôle en tant que force du centre politique. Nous nous affirmons comme un parti indépendant, porteur d’une politique centrée sur le bien commun.
Chez nous, c’est la recherche pragmatique de solutions qui prime – pas la polarisation. Nos positions politiques ne sont jamais improvisées : elles sont le résultat d’un travail préparatoire rigoureux et de discussions approfondies.
Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist eine starke politische Mitte wichtiger denn je. Unsere Stärke liegt nicht nur darin, Brücken zu bauen, sondern auch in der Fähigkeit, klare Positionen einzunehmen und mit Lösungen aus der politischen Mitte voranzugehen.
Die Schweiz braucht Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit. Denn es ist eine Zeit der Umbrüche. Und an Bruchstellen entstehen immer auch Risse. Die Polarisierung nimmt auch bei uns zu. Dem setzen wir eine Politik des Dialogs und des Respekts entgegen. Eine Politik der Verantwortung, im Respekt gegenüber unseren Institutionen, im Interesse der Schweizer Bevölkerung, für den Zusammenhalt der Schweiz.
Thematisch haben wir mit den Fairness-Initiativen, der Gesundheitskostenbremse und unserem Einsatz für Generationengerechtigkeit konkrete Lösungen für drängende Probleme der Schweizer Bevölkerung geliefert und bleiben an diesen zentralen Anliegen unserer Wählerinnen und Wähler dran. Auch haben wir uns erfolgreich in die Europa- und Sicherheitspolitik eingebracht.
Das alles ist das Ergebnis harter Arbeit, eines klaren strategischen Kurses und eines starken Teams. Nun gilt es, diesen Weg weiterzugehen und die nächsten Schritte zu machen. Die Strategie 2025 war ein Erfolg. Ich werde dafür sorgen, den Übergang reibungslos zu gestalten und die Nachfolgstrategie 2033 auf den Weg zu bringen. Wir wollen und müssen in Bewegung bleiben und die Zukunft der Mitte gestalten.
Wir haben in den letzten Jahren als Partei einen enormen Wandel vollzogen und die Grundlage für eine starke Mitte geschaffen, die langfristig in der Schweizer Politik verankert ist. Der Strukturwechsel und der Kulturwandel in der Partei und in der Fraktion müssen weiter fortgesetzt werden. Das wird eine der wichtigsten Aufgaben meines Nachfolgers sein.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich eine Partei, die stärker, moderner und dynamischer ist. Eine Partei mit einer klaren Positionierung. Die klar stärkste Kraft des politischen Zentrums. Eine Partei, die neue Wählerinnen und Wähler gewonnen hat. Ich sehe eine Partei, deren Basis hinter ihrem eigenständigen Kurs steht.
Und was mich besonders freut: Gerade auch bei den Jungen haben wir es geschafft, attraktiver zu werden, neue Menschen zu überzeugen und neue Mitglieder zu gewinnen.
Ich sehe eine Partei, die auf einem soliden Fundament steht, getragen von engagierten und motivierten Menschen, um langfristig eine zentrale Kraft in der Schweizer Politik zu bleiben. Ich sehe eine Partei der Zukunft.
(Sono convinto che il Centro sia il partito del futuro. Con l’elezione odierna del nuovo presidente del partito, poniamo le basi per il futuro della Svizzera centrale. Per un partito che si assuma la responsabilità sociale, che porti soluzioni costruttive dal centro politico, che cerchi il consenso invece della polarizzare. Un movimento che unisca le persone invece di dividerle. Un partito che non sia solo di centro e credibile, ma che rappresenti anche il centro della nostra società. Un partito che si impegni affinché anche le generazioni future possano vivere la Svizzera come l’abbiamo vissuta noi.
Un partito capace di tenere unita la Svizzera.
Bevor ich gleich das Wort für die Wahl unseres neuen Parteipräsidenten an Vizepräsident der Mitte Schweiz und Ständerat Charles Juillard übergebe, möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken: geschätzte Delegierte, geschätzte Fraktionsmitglieder, sehr geehrte Damen und Herren.
Ich möchte diesen Moment nutzen, um Danke zu sagen. Nicht pathetisch, sondern nüchtern – aber aus voller Überzeugung.
Diese Partei, unsere Partei, steht heute dort, wo sie steht, weil über 90’000 Mitglieder mitdenken, mittragen und mitverantworten. Nicht nur im Bundeshaus, sondern überall in der Schweiz, ob nun an samstagmorgendlichen Parteiständen oder in abendlichen Sitzungszimmern.
Wer sich in seiner Freizeit für eine Partei und damit für sein Land engagiert – Unterschriften sammelt, kandidiert, Plakate hängt, diskutiert oder einfach zuhört –, verdient mehr als Höflichkeit. Er und sie verdient Respekt.
Ich danke darum stellvertretend für alle, die sich für unsere Partei engagieren,
- den Präsidentinnen und Präsidenten der Kantonalparteien. Sie sind tragende Säulen unserer Partei und waren in den Transformationen der letzten Jahre entscheidend. Einer Transformation, die nur gelang, weil sie nicht als Bruch, sondern als Fortführung einer sozial geprägten Tradition verstanden wird.
- Und ich danke insbesondere Ihnen, geschätzte Delegierten. Sie sind das mächtigste Gremium unserer Partei, sie fällen die entscheidenden Beschlüsse in unserer Partei. Und sie tun das nicht als anonymes Gremium, sondern als Vertreterinnen und Vertreter einer Basis, die unsere Partei trägt.
Denn unsere Partei agiert nie im Vakuum. Sie ist Teil eines politischen Gefüges, das von Mitbewerbern, von der Gesellschaft und von globalen Herausforderungen geprägt ist. Dass es uns gelungen ist, in diesem Umfeld in den letzten Jahren an Profil zu gewinnen, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Resultat harter Arbeit – und der Bereitschaft, Wandel zuzulassen.
- Ich danke darum auch den Bundesrätinnen und Bundesräten unserer Partei mit denen ich als Parteipräsident zusammenarbeiten durfte – Doris Leuthard, Viola Amherd, Martin Pfister – für das Vertrauen, für die Offenheit. Es war mir immer ein Anliegen, sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, auch in Phasen, in denen Partei und Bundesrat unterschiedliche Rollen einzunehmen hatten.
- Den Kolleginnen und Kollegen der Bundeshaus-Fraktion danke ich für die oft intensive, aber immer konstruktive Zusammenarbeit. Wir haben diskutiert, gestritten, uns geeinigt – so, wie es in einer Partei der Vielfalt der Fall sein muss. Und auch, wie es in einer Fraktion sein sollte, die weiss, dass sie sich im Plenum nur Einfluss verschaffen kann, wenn sie sich nicht in alle Richtungen zerstreut.
Mein besonderer Dank gilt aber dem ganzen Team im Generalsekretariat. Klein, effizient, belastbar, oft unsichtbar – aber nie unwesentlich. Alle Mitarbeitende haben eine zentrale Rolle gespielt: in der Strategiearbeit, in der Kommunikation, in der Kampagnenführung, in der Koordination mit den Kantonalparteien und in der Unterstützung der Bundeshausfraktion – bei der alltäglichen Arbeit, die selten erwähnt, aber ständig benötigt wird.
Ich weiss, was ich an euch hatte. Und mein Nachfolger wird es sicher genauso bald erkennen.
- Und schliesslich danke ich unserer Generalsekretärin Gianna Luzio – ohne deinen Beitrag wäre vieles in den letzten Jahren nicht gelungen. Keine neue Struktur. Kein neuer Name. Keine durchdachte Strategie. Keine eingereichten Initiativen. Keine erfolgreiche AHV-Kampagne. Und vermutlich auch kein Wahlerfolg 2023. Du hast mitgestaltet, mitgedacht, mitgetragen. Und du hast nicht nur das getan, was man erwartet – sondern das, was notwendig war. Gerade dann, wenn es unbequem wurde.
Diese Partei hatte mehrfach das Glück, hervorragende Generalsekretärinnen und Generalsekretäre zu haben. Martin Rosenberg ist einer davon – und ich zögere keinen Moment, dich in derselben Liga zu nennen. Mein grosser Dank gilt dir – für deine Loyalität, deine Kritik, deine Klarheit, deine Energie.
- Und mein letzter Dank gilt meiner Frau Franziska. Ohne deine ruhige Präsenz, deine Geduld und deine Bereitschaft, mir den Raum zu geben, den dieses Amt gebraucht hat, hätte ich es in dieser Form nicht ausüben können. Du hast mich gestärkt, wenn es besonders schwierig wurde, klar gemacht, was wichtig bleibt, wenn vieles dringend schien – und mich so in dem getragen, was ich getragen habe. Dafür danke ich dir – mehr, als Worte es ausdrücken können.
Geschätzte Delegierte, liebe Parteifreunde. Wenn man mich fragt, was bleibt, dann ist meine Antwort einfach: Was bleibt, ist eine Partei, die gelernt hat, sich selbst ernst zu nehmen – und gleichzeitig offen zu bleiben für die Gesellschaft, die sich verändert.
Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben.
Nicht, weil es einfach war. Sondern weil es gemeinsam gelungen ist.
Als Partei stehen vor weiteren wichtigen Entscheidungen. Die heutige Versammlung ist ein bedeutender Moment. Mit der Wahl des neuen Parteipräsidenten stellen wir die Weichen für die Zukunft der Mitte Schweiz setzen ein klares Zeichen für Stabilität und Kontinuität.
Meine Entscheidung, die Leitung der Partei nun an die nächste Generation zu übergeben, war das Ergebnis einer sorgfältigen Planung und eines tiefen Respekts vor der Verantwortung, die mit dieser Aufgabe verbunden ist.
Ich bin überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um Platz für frische Kräfte und eine neue Generation zu machen. Ich blicke mit grosser Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück. Es war mir eine Ehre, diese Partei in einer so entscheidenden Phase ihrer Geschichte zu führen.
Ich habe das Amt sehr gerne ausgeübt. Es war eine schöne, intensive und unglaublich bereichernde Zeit. Man kann enorm viel bewirken. Man ist viel unterwegs und dabei stets im Austausch mit der Parteibasis. Das habe ich sehr geschätzt.
Parteipräsident ist eine fantastische Aufgabe. Ich habe immer gesagt, das schönste Amt nach Papst. Aber eigentlich muss ich schon sagen, es ist wohl umgekehrt. Es ist das schönste Amt – noch vor Papst. Es war mir meistens eine Freude, und immer eine Ehre.
Vielen Dank.
